Ausgangslage: Der Platzbedarf klassischer Dämmstoffe
Mineralwolle, expandiertes und extrudiertes Polystyrol (EPS/XPS) sowie Polyurethan-Hartschaum (PIR/PUR) sind die mit Abstand am häufigsten verbauten Dämmstoffe im Hochbau. Ihre Wärmeleitfähigkeit λ liegt, je nach Produkt, typischerweise zwischen etwa 0,022 und 0,040 W/(m·K). Um die geforderten Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) zu erreichen – für Außenwände bei energetischer Sanierung lag der Grenzwert nach bisheriger GEG-Systematik bei 0,24 W/(m²·K) –, sind bei diesen Materialien Schichtstärken von rund 14 bis 20 Zentimetern erforderlich. Im Bestand, bei Baudenkmälern, engen Innenhöfen oder technischen Anlagen mit beengten Platzverhältnissen stößt das regelmäßig an Grenzen und treibt seit Jahren die Entwicklung dünnerer Alternativen voran.
Drei Technologielinien
Vakuumisolationspaneele (VIP)
VIP bestehen aus einem mikroporösen Stützkern, meist pyrogener Kieselsäure, der in eine gasdichte Hochbarrierefolie eingeschweißt und evakuiert wird. Durch den weitgehenden Wegfall der Gaswärmeleitung im Kern erreichen VIP Wärmeleitfähigkeiten von etwa 0,002 bis 0,006 W/(m·K) – die niedrigsten Werte, die mit heute am Markt verfügbaren Baustoffen erreicht werden. Der Nachteil: Jede Beschädigung der Folie hebt das Vakuum auf und lässt die Dämmwirkung auf das Niveau eines gewöhnlichen porösen Materials einbrechen. VIP lassen sich daher nicht zuschneiden oder durchbohren, erfordern eine sorgfältige Schutzschicht im Bauablauf und zeigen an Rändern und Durchdringungen einen messbaren Randzonenverlust.
Aerogel-basierte Dämmstoffe und Putze
Aerogele sind hochporöse, überwiegend aus Siliziumdioxid bestehende Feststoffe mit einem Porenanteil von teils über 90 Prozent. Als Granulat in Putzsystemen oder als Matte eingesetzt, erreichen Aerogel-Dämmstoffe Wärmeleitfähigkeiten von grob 0,013 bis 0,020 W/(m·K) und sind zugleich diffusionsoffen. Das macht sie vor allem für die Innendämmung von Fachwerk- und Bestandsbauten interessant, wo eine außenseitige Dämmung aus denkmalrechtlichen Gründen ausscheidet. Der Nachteil liegt im vergleichsweise hohen Materialpreis gegenüber klassischen Dämmstoffen.
Nanobeschichtungen und Dünnschichtsysteme
Eine dritte Gruppe bilden Beschichtungssysteme im Bereich weniger Millimeter, die als Anstrich oder Spachtelmasse appliziert werden. Sie enthalten üblicherweise nanoskalige oder mikroskalige Partikel oder Hohlkugeln, die je nach Produkt reflektierende, isolierende oder strahlungsmindernde Eigenschaften haben sollen. Ein Beispiel aus dieser Kategorie ist PSCoat des Anbieters PowerSmartCoat (Zurynski, Oezdogan & Co GmbH), der das Produkt als nanotechnologiebasierte Dünnschicht-Wärmedämmbeschichtung für Gebäudehüllen, Dächer und technische Anlagen mit einer Schichtstärke von 1,5 bis 3 mm beschreibt. Wie bei jedem Produkt dieser Kategorie sind auch hier Herstellerangaben zum Wirkprinzip gesondert anhand von Prüfzeugnissen zu verifizieren, bevor sie in eine Bauteilberechnung einfließen.
Physikalische Grundlagen und Stand der fachlichen Diskussion
Der Wärmedurchlasswiderstand einer homogenen Schicht ergibt sich nach der stationären Wärmeleitungsgleichung (Fourier’sches Gesetz) näherungsweise aus dem Verhältnis von Schichtstärke zu Wärmeleitfähigkeit (R = d / λ). Bei einer Schichtstärke von wenigen Millimetern ist der rechnerische Beitrag einer Schicht zum Gesamt-U-Wert eines Bauteils nach dieser klassischen Betrachtung gering, selbst bei niedriger Wärmeleitfähigkeit des Materials. Genau an diesem Punkt setzt eine seit Jahren geführte Fachdiskussion um dünnschichtige „Dämmfarben“ und vergleichbare Beschichtungssysteme an.
Ein 2026 veröffentlichtes Positionspapier von VDPM (Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel) und VdL (Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie), mitgetragen von mehreren weiteren Branchenverbänden, warnt ausdrücklich vor „wärmedämmenden Farben“ und „energiesparenden Anstrichen“. Dokumentiert wird darin unter anderem ein Klimakammertest des Instituts für Bauphysik der Leibniz Universität Hannover, bei dem ein am Markt beworbenes Nano-Beschichtungsprodukt im Vergleich zu einer neutralen Fassadenfarbe und zu einer klassischen EPS-Dämmung (20 cm, WLG 032) untersucht wurde: Die Beschichtung zeigte keine von der neutralen Vergleichsfarbe unterscheidbare Dämmwirkung, während die klassische Dämmung den mit Abstand geringsten Energieverbrauch verursachte. Die vom Hersteller jenes Produkts angegebene Wärmeleitfähigkeit wurde in einer im Papier zitierten fachlichen Stellungnahme als „physikalisch nicht plausibel“ eingeordnet, weil sie den Bereich selbst der leistungsfähigsten verfügbaren Hochleistungsdämmstoffe – Vakuumisolationspaneele mit den oben genannten 0,002 bis 0,006 W/(m·K) – um das 30- bis 60-Fache unterschritt.
Das Papier weist zudem auf ein methodisches Problem hin, das die gesamte Produktkategorie betrifft: Genormte Prüfverfahren zur Bestimmung der Wärmeleitfähigkeit setzen homogene Materialproben ausreichender Stärke voraus. Bei Schichtdicken im Submillimeter- bis Millimeterbereich treten systematische Probleme auf – Kontakt- und Grenzflächenwiderstände verzerren die Messung, die Annahme eines eindimensionalen Wärmestroms trägt nicht mehr zuverlässig. Für die Bemessung nach Gebäudeenergiegesetz/GModG sowie für den Energieausweis dürfen ohnehin nur national anerkannte Bemessungswerte für Wärmedämmstoffe und Bauprodukte verwendet werden; eine Herstellerangabe allein genügt für den rechnerischen Nachweis nicht. Auch die Verbraucherzentrale Thüringen wies bereits 2023 in einer Verbraucherinformation darauf hin, dass ein Anstrich eine klassische Dämmschicht nicht ersetzen könne, da nachträgliche Dämmschichten üblicherweise 150 bis 200 mm Aufbauhöhe erreichen, ein Farbanstrich dagegen nur wenige Millimeter.
Für die Einordnung von Dünnschicht-Nanobeschichtungen als Produktkategorie folgt daraus: Herstellerangaben zu Wärmeleitfähigkeit oder Energieeinsparung sollten nicht ungeprüft in eine energetische Bilanzierung übernommen werden, sondern anhand von Prüfzeugnissen nach anerkannten Verfahren und – wo verfügbar – unabhängigen Messungen nachvollzogen werden. Das zitierte Positionspapier untersucht ein konkretes Konkurrenzprodukt und lässt sich nicht ohne Weiteres auf jedes Produkt der Kategorie übertragen; es macht aber deutlich, warum diese Sorgfalt bei dünnschichtigen Systemen generell angebracht ist, unabhängig vom Wirkmechanismus, den der jeweilige Hersteller angibt.
Vergleich der drei Ansätze
SystemTypische SchichtstärkeWärmeleitfähigkeit (ca.)Haupteinsatzgebiet
Mineralwolle / EPS / PIR6–20 cm0,022–0,040 W/(m·K)Standarddämmung Neubau und Sanierung
Vakuumisolationspaneele2–4 cm0,002–0,006 W/(m·K)Balkone, Laibungen, beengte Anschlüsse
Aerogel-Putz/-Matte2–6 cm0,013–0,020 W/(m·K)Innendämmung im Denkmalbestand
Nanobeschichtung / Dünnschicht1,5–3 mmherstellerabhängig, uneinheitlich ausgewiesenFassaden, Dächer, technische Anlagen ohne Aufbauhöhe
Marktentwicklung und regulatorischer Rahmen
Der globale Markt für Dämmstoffe wird von Marktforschungsunternehmen für die kommenden Jahre mit spürbaren Wachstumsraten prognostiziert; eine Untersuchung beziffert den Weltmarkt für Isoliermaterialien für 2024 auf gut 70 Milliarden US-Dollar mit einer erwarteten jährlichen Wachstumsrate von rund 6,5 Prozent bis 2031. Als Treiber gelten die energetische Sanierung des Gebäudebestands, steigende regulatorische Anforderungen und der Fokus auf Lösungen, die ohne Verlust an Nutz- oder Wohnfläche auskommen – ein Argument, das insbesondere dünnschichtigen Systemen zugutekommt. Zahlenangaben aus solchen Marktstudien beruhen auf Prognosemodellen der jeweiligen Anbieter und sollten als Orientierungsgröße, nicht als geprüfter Fakt gelesen werden.
Regulatorisch ist seit dem 8. Januar 2026 für Bauprodukte in der EU ausschließlich die CE-Kennzeichnung nach der neuen Bauproduktenverordnung (Verordnung (EU) 2024/3110) maßgeblich. Für Wärmedämmstoffe und -systeme bedeutet das: Leistungsangaben zu Wärmeleitfähigkeit, Brandverhalten und weiteren wesentlichen Merkmalen müssen in der Leistungserklärung nach harmonisierten Prüfnormen angegeben werden, unabhängig davon, ob es sich um ein klassisches oder ein nanotechnologisch basiertes Produkt handelt.
Einordnung für die Praxis
Für Planer, Sachverständige und Bauunternehmer gilt bei jedem Dünnschicht-Dämmsystem dieselbe Grundregel wie bei klassischen Dämmstoffen: Leistungsangaben sollten anhand von Prüfzeugnissen, Leistungserklärungen und – wo verfügbar – unabhängigen Messwerten nach genormten Verfahren nachvollzogen werden, bevor sie in eine Bauteilberechnung einfließen. Die geringe Aufbauhöhe ist bei allen drei vorgestellten Technologien ein eigenständiges, nachvollziehbares Argument für den Einsatz im Bestand – sie ersetzt aber nicht die objektbezogene Prüfung der tatsächlichen Dämmwirkung im Einzelfall.
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Die Zurynski, Oezdogan & Co GmbH ist sowohl Betreiberin dieses Fachportals als auch Anbieterin der oben eingeordneten Beschichtung PSCoat – diese Doppelrolle legen wir an dieser Stelle offen. Wie im Beitrag beschrieben, wird PSCoat als dünnschichtige Beschichtung im Millimeterbereich auf Fassaden, Dächer und technische Anlagen aufgetragen, statt als mehrere Zentimeter starke Dämmplatte oder -matte montiert zu werden. Für eine Einordnung der tatsächlichen Dämmwirkung gilt hier dieselbe Sorgfaltsregel wie im Beitrag beschrieben: Herstellerangaben sollten anhand von Prüfzeugnissen und nicht allein anhand von Werbeaussagen beurteilt werden. Technische Unterlagen zum Produkt bietet die Website des Herstellers PowerSmartCoat.
Faktenlage
Physikalische Grundlagen (Wärmeleitungsgleichung, R = d/λ) und die Wärmeleitfähigkeitsbereiche klassischer Dämmstoffe, VIP und Aerogel sind nach anerkannter Bauphysik dokumentiert.
Der Klimakammertest der Leibniz Universität Hannover sowie das VDPM/VdL-Positionspapier sind als Primärquellen benannt und beziehen sich auf ein konkretes Konkurrenzprodukt, nicht auf PSCoat.
Marktzahlen (Weltmarktvolumen, Wachstumsrate) stammen aus Marktforschungsprognosen und sind als solche gekennzeichnet, nicht als geprüfte Fakten.
Angaben zu PSCoat (Schichtstärke, Wirkprinzip) sind Herstellerangaben des Anbieters PowerSmartCoat und nicht unabhängig verifiziert.
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